„Lieber Chef, ich würde ja bleiben, aber…“

Sie sind wichtige Stützen eines Unternehmens: Gute Mitarbeiter. Ihre Bedeutung für den Erfolg einer Firma wird oft erst erkannt, wenn sie kündigen. Immer wieder scheint die Abwanderung der Top-Kräfte die Führung zu überraschen – doch die ist oft selbst schuld! Die Gründe für einen Jobwechsel liegen häufig in Versäumnissen der Vorgesetzten. Doch was genau vertreibt überdurchschnittliches Personal aus einer gesicherten Stellung?

Überlastung vermeiden

In der Arbeitswelt von heute wird vorausgesetzt, dass in Phasen erhöhten Arbeitsaufkommens ohne gesonderte Direktive über das vereinbarte Maß hinaus gearbeitet wird. Der Rhythmus des Einzelnen hat sich den Aufgaben seiner Abteilung anzupassen. Das funktioniert in der Regel auch problemlos – wenn der Arbeitgeber nicht überreizt.

Es ist leicht, gute Leute auch besonders zu fordern. Die Verlockung, ihnen permanent mehr Arbeit aufzuerlegen als ursprünglich einmal vereinbart, ist groß. Das geht aber nur vorübergehend gut. Eine Studie aus Stanford ergab, dass die Produktivität pro Stunde rapide sinkt, wenn 50 Wochenstunden überschritten werden. Ab 55 Stunden ist die mehr eingesetzte Zeit sogar völlig wirkungslos.

Wenn die Belastung der Mitarbeiter – temporär – erhöht werden muss, sollte zudem eine Modifikation ihres Status´ erfolgen. Das kann z.B. über finanzielle Boni oder den Aufstieg in höhere Ebenen erfolgen.

Einsatz muss sich lohnen

Entfallen o.g. Anreize und bekommt ein Top-Performer gar kein Feedback zu seiner mehr geleisteten Arbeit, wird seine Motivation schnell sinken. Wer setzt sich für jemanden ein, der es nicht bemerkt? Niemand! Zeigen Sie ihnen, dass Sie ihre (Mehr-) Arbeit zu schätzen wissen und verlassen Sie dafür auch zeitweise die Ebene der Leitung. Menschlichkeit ist kein Gegensatz zu professionellem Business, sondern ein bedeutender Teil davon. Oft reicht schon eine Bemerkung, dass man sich der aktuellen Belastung bewusst ist und sie nicht als selbstverständlich hinnimmt. Wenn Sie auch eine Antenne für private Probleme des Personals haben, umso besser. Empathie ist ein wichtiges Instrument, um Überlastung zu vermeiden.

Kreatives Potenzial nutzen

Kreativität ist kein Gegensatz zu strukturiertem Work Flow, sondern eine wichtige Quelle für Innovationen in Unternehmen. Lassen Sie Talente und Leidenschaften nicht ungenutzt verpuffen. Tatsächlich steigt die individuelle Leistung, wenn andere Blickwinkel erlaubt sind. Guten Leuten Raum für neue Herangehensweisen zu geben oder den Fokus auch mal auf die Arbeit außerhalb der eigenen Abteilung lenken zu dürfen, bewirkt in der Regel eine Steigerung der Produktivität. Weiterentwicklung ohne Veränderung ist gerade in der modernen Arbeitswelt nicht mehr möglich. Wer gestalten darf, erfährt Anerkennung – und hat keinen Grund, zu gehen.

Ziele definieren, fordern und fördern

Sie haben großartige Angestellte? Dann fordern Sie sie heraus, noch besser zu werden. Definieren sie gemeinsam neue Ziele, die hoch sind, aber erreichbar. Belohnen Sie das Erreichen, fördern Sie die Mitarbeiter auf dem Weg dahin, aber bestärken Sie sie auch bei Problemen. Zeigen Sie: Sie stehen hinter ihrer Mannschaft – auch, wenn es mal nicht läuft. Analysieren Sie gemeinsam die Gründe für Rückschläge und stärken Sie dem Personal den Rücken.

Klare Strukturen vorleben, gemeinsam Ziele definieren, Anreize schaffen, eigene Ideen erlauben, erhöhten Einsatz belohnen und nie den Kontakt untereinander abreißen lassen: Wer will denn da noch woanders arbeiten?!